Indienststellung des Strohheizwerkes in Hermersberg

Am Mittwoch, den 11. April 2012, wurde in einer Feierstunde das erste Strohheizwerk in Rheinland-Pfalz offiziell in Dienst gestellt.

Die Anlage, am Rande des Ortsrandes von Hermersberg gelegen, versorgt das angrenzende Wohngebiet mit rund 40 Bauplätzen, sowie einen Teil der Anwesen im Altbestand um das Neubaugebiet, mit Wärme aus der Strohverbrennung.


Insgesamt können mit der Anlage, welche eine Leistung von 880 kW besitzt, ca. 80 Wohneinheiten durch das angeschlossene Nahwärmenetz mit Wärme versorgt werden. Bürgermeister Winfried Krämer und Ortsbürgermeister Erich Sommer begrüßten im Beisein von Staatssekretär Ernst-Christoph Stolper neben der Bundestagsabgeordneten Anita Schäfer, der Landtagsabgeordneten Susanne Ganster und Landrat Hans Jörg Duppré, auch ca. 70 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Hermersberg und der Umgebung, sowie die Vertreter der am Bau beteiligten Firmen.

In seiner Begrüßungsrede ließ Bürgermeister Krämer die Entstehungsgeschichte des Strohheizwerkes seit 2007 nochmals Revue passieren und verdeutlichte den Anwesenden den Grundgedanken der Verbandsgemeinde, den Bürgerinnen und Bürgern eine sichere und günstige Wärmeversorgung anbieten zu können. Gleichermaßen hob er die beiden anderen Anlagen in Höheinöd (Biogas) und Steinalben (Holzhackschnitzelheizwerk) hervor, welche eine Vorbildfunktion im Bereich der erneuerbaren Energien für die gesamte Region darstellen.
Die Baukosten der Anlage beliefen sich auf annähernd 900.000 €. Bezuschusst wurde das Projekt mit insgesamt 265.000 €, je die Hälfte davon wurde vom Land Rheinland-Pfalz und der Europäischen Union zur Verfügung gestellt. Für das 1.100 m lange Nahwärmenetz mussten nochmals ca. 700.000 € investiert werden. Herr Krämer betonte hierbei, dass solche oder vergleichbare Projekte nur umgesetzt werden können, wenn sich das Land, der Bund oder die EU auch finanziell an der Umsetzung solcher Ideen im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligen und diese unterstützen.

Staatssekretär Stolper würdigte in seiner Ansprache die Vorreiterrolle der Verbandsgemeinde im Bereich der Wärmeversorgung und Stromerzeugung und erläuterte den Gästen die Wichtigkeit der Regionalen Wertschöpfung für die Verbandsgemeinde. Er forderte die Verbandsgemeinde auf, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen. Hier würde eine Basis geschaffen, welche im Einklang mit dem Ziel der Landesregierung stehe, eine autarke Stromversorgung mit erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 für ganz Rheinland-Pfalz umzusetzen. Zweifellos müsste zukünftig dann auch die Wärmeversorgung mit in dieses Ziel eingebunden werden. Problematisch sieht Stolper die Frage der Förderungsmöglichkeiten, über die das Land zurzeit mit dem Bund verhandle.

In seinem Grußwort führte Landrat Duppré den Anwesenden den Ursprung des Projektes nahe, welcher mit dem Ile-Prozess (Integrierte ländliche Entwicklung) begann. Dieser Prozess sei wichtig, da dadurch die einzelnen Projekte der Region sinnvoll zusammengefasst werden könnten. Darauf bezogen nannte er es eine große Herausforderung, allen Gemeinden Wärme und Strom zu gleichen Preisen anbieten zu können und verdeutlichte, dass es außerdem wichtig sei, sich nicht nur auf die Erzeugungsanlagen zu konzentrieren, sondern auch die Erweiterung und Modernisierung der Versorgungsnetze voran zu treiben.
Dies sei für die Zukunft ein sehr entscheidender Faktor, damit sich Familien, Unternehmen oder Gewerbetreibende in der Region ansiedeln. Er wünschte in diesem Sinne den Betreibern des Strohheizwerkes, dass das Vorhaben „nicht in einem Strohfeuer endet“.

Ortsbürgermeister Sommer betonte in seinem Grußwort, dass er stolz darauf sei, ein Teil dieses Projektes sein zu können und lobte vor allem die engagierte Zusammenarbeit mit den umliegenden ansässigen Landwirten und der Verbandsgemeinde. Er erinnerte die Beteiligten daran, dass die eigentliche Arbeit erst beginne, da die Anlage jetzt optimiert und auf die verschiedenen Strohsorten eingestellt werden müsse. Momentan sei geplant, weitere Strohsorten wie z. B. Rapsstroh zu verfeuern und somit unabhängiger von einzelnen Strohsorten zu werden. Dieser Vorgang würde jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Er sei jedoch zuversichtlich, dass bis zum Beginn der nächsten Kälteperiode die Anlage eine optimale Leistung erbringt.

Rainer Grüner von der mit der Planung beauftragten Firma WVE GmbH aus Kaiserslautern sprach in seiner Rede von den im Vorfeld aufgetretenen Schwierigkeiten, welche damit begannen, dass man eigentlich keine Vergleichswerte aufweisen konnte, da es eine solche Anlage in dieser Konstellation noch nicht gab. Ebenso sei es schwierig gewesen, entsprechende Angebote von Firmen zu bekommen, da es auch hier kaum Anbieter gab, welche ähnliche Projekte schon umgesetzt hatten. Froh und auch stolz zeigte sich Grüner darüber, dass die vor einiger Zeit durchgeführte Abgasemissionsmessung die strengen Vorgaben der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) bei Weitem unterbiete. Die CO2- Einsparung der Anlage bezifferte Grüner mit 477 Tonnen pro Jahr, was daraus resultiert, dass ca. 250.000 Liter Heizöl durch die Verfeuerung von ca. 600 Tonnen Stroh eingespart werden.

 
 
 
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